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Wie unser Vanlife begann

Tja, wie fängt man da an, und vor allem wo, bzw. womit?
Wie unser Vanlife begann, ist eigentlich eine kurze Geschichte mit langem Vorlauf,
den wir in komprimierter Form wiedergeben.
So Richtung Zeitraffer mit Ausschlussverfahren.

Nie hätten wir vor der eigentlichen Entscheidung, uns als Freizeitnomaden und Genußjunkies wohnraummäßig zu mobilisieren, an diese Variante gedacht, kein Neuronensprung hatte darauf hingewiesen.

Wie unser Vanlife begann – Die Umstände

Doch welche Umstände waren es, die uns veranlassten, ein Rollhäusle unser Eigen zu nennen?

Es begann 2019, als bei meiner Mutter Krebs im Endstadium festgestellt wurde.
Wir, d. h. meine Frau Sabine, mein Vater und ich, waren in der Notaufnahme, als uns erstmal vage aber eindeutig das Ergebnis des Kopf-CT’s mitgeteilt wurde. Der Schock war riesig, denn wir dachten allenfalls an einen mittleren Schlaganfall.
Aber, wir mussten uns definitiv mit dem Thema Sterben und Tod auseinandersetzen.
Sofort teilte mir mein Vater mit, dass ich das von ihnen bewohnte Haus sogleich haben könnte.

Die Aussicht ein Häuschen zu haben war zwar sehr verlockend, gerade wenn man unsere aktuelle belastende Wohnsituation bedachte, aber es gab logischerweise erstmal etwas anderes zu verdauen.

Nachdem meine Mutter wenige Wochen später verstorben war, drängte mein Vater, dass wir doch unbedingt bei ihm einziehen sollen. Einerseits verständlich, aber es gab einige Gründe, warum wir dieses Angebot nicht annehmen konnten und wollten. Da hätte er sich schon früher Gedanken darüber machen sollen, warum die Familie nicht wirklich eine solche war.

Die nächste Etappe, wie unser Vanlife begann, war der Freitod meines Vaters. Die Umstände waren dermaßen haarsträubend, dass ich lange Zeit brauchte, um mich davon zu erholen und das Ganze psychisch zu verarbeiten.

Nun hatte ich es, das Häuschen.
Aber es wollte sich keine Freude einstellen.
Die Erinnerungen an die Zeiten zuvor, der Suizid, alles war zu stark mit dem Anwesen und Dingen verhaftet.
Würden wir darin wirklich glücklich werden?, war die Frage.
Die Antwort war nein!
Wir konnten uns lange mit dem Thema auseinandersetzen, denn die Corona-Pandemie baute sich gerade auf und der Zeittakt geriet aus dem Rahmen. Wochenlang räumten wir das Haus und die Nebengebäude aus, doch entsorgen und abtransportieren durfte man nichts. Teilweise Kontaktverbot, Ausgangssperren, nicht einmal die Kleiderkammer des Roten Kreuzes hatte geöffnet.

Gut, dies würde also keine dauerhafte Bleibe für uns werden, also besser verkaufen, so die Idee.
Vielleicht bekäme man genug zusammen, um sich in der Nähe unseres aktuellen Domizils ein neues Nest zu suchen.

Der Verkauf gestaltet sich trotz lauter Unkenrufe von Maklern besser als gedacht und ging in Rekordzeit über die Bühne.

Jetzt hatte man zumindest eine feste finanzielle Größe, mit der man auf die Suche nach einem für uns geeignetem Heim gehen kann.
Doch die Ernüchterung kam relativ schnell.
In unserer Umgebung, und generell, waren durch die Corona-Pandemie die Preise derart in die Höhe geschnellt, dass man für die kleinste Rumpelhütte ein Vermögen aufbringen musste.

Ruckzuck war der Markt leer, es gab wirklich kaum noch Angebote. Außer Zwangsversteigerungen, die sprunghaft stiegen. Aber die meisten Angebote waren Häuser auf kleinsten Grundstücken und mit sehr großem Wohnraum.
Was wollen wir zu zweit, mit 200 m² Wohnfläche aufwärts?

Lt. Makler und Insidern gäbe es frühestens in 2–3 Jahren wieder preislich moderate Angebote, selbst auf dem etwas entfernteren Land.

O.k., dann lass uns bauen, war die neue Überlegung.

Ein Baugrundstück kann doch nicht so schwer zu finden sein, machte sich die Hoffnung breit.
Sie ahnen es: niente, nada, nix, Fehlanzeige, Sackgasse.

Wir kennen einige, die Häuser, Grundstücke und Wohnraum zum Kauf suchten. Seit mehreren Jahren mühten sie sich vergeblich, wollten Sie nicht von einem riesigen Schuldenberg erdrückt werden.

Als Selbstängige/r ist es relativ schwierig einen Kredit von der Bank zu bekommen, hat mein keine Bürgen oder Sicherheiten, die man hinterlegen kann.
Leider reichte das ererbte Vermögen bei Weitem nicht aus, um sich den Traum eines eigenen Häuschens realisieren zu können.
Da die Wohnsituation zunehmend belastender wurde, musste eine andere Lösung her. Der Lärm war eines der Gründe, warum wir die Segel streichen wollten.

Wie wäre es zumindest mit ein paar Wochen Urlaub machen. Einfach mal weg, etwas Neues sehen, Abstand bekommen?
Grundsätzlich gerne, denn ein paar Flocken könnte man schon abzweigen, was vorher nicht möglich war.

Aber da war sie wieder, die Corona-Plage.
Es war nicht möglich, Urlaub zu machen. Beschränkungen, Auflagen, weitere Ausgangssperren, Kontaktverbote, all dies machte es unmöglich. Nicht einmal in der Nähe durfte man Urlauben, weil, fliegen wollten wir sowieso nicht.
Wie unser Vanlife begann

Dann eben doch wieder bauen?
(zögerliches und gedehntes) Ja.
Schon wieder ein Aber?
Jawohl, schon wieder.

Zahlreiche Häuslebauer warteten inzwischen auf ihr Baumaterial. Sei es die Bodenplatte, die Dämmung, Installation und was man alles noch zum Bauen benötigte.
Zusätzlich erreichten die Materialpreise einen Höhenflug. Beispielsweise erhöhten sich die Preise für massives Bauholz und 80 %, in Worten: achtzig!

„Plopp“ machte es, als unsere Träumchen-Blase zerplatzte.
Müssen wir jetzt wirklich weiter bei diesem Lärm und den anderen Querelen ausharren?
Gibt es keine Möglichkeit einfach mal abzuhauen, dem Ganzen zu entfliehen und zumindest für einen kurzen und begrenzten Zeitraum sich herauszunehmen?

Die Denkmaschine lief auf Hochtouren und beschäftigte sich mit dem Thema Modul-, bzw. Tiny-Häusern. Kleine Häuschen, die auf den eigenen Bedarf zugeschnitten werden können und teilweise mobil sind.

Jaaa, wenn das so einfach wäre, diese Häuschen auch auf ein Grundstück stellen zu dürfen.
Viele Gemeinden lassen es nicht ohne weiteres zu, ein mobiles Heim auf gekauftem oder gemieteten Grund positionieren zu können.
Da gibt es Vorschriften, die zu beachten sind, Bebauungspläne, eingeschränkte Sichtweisen, festgefahrene Meinungen, konventionelle und verkrustete Denker, Sesselpupser und Korinthenkacker.
Nein, hieß es auch schon mal, wir wollen keine „Mobilen“, denn wir haben jede Menge Geld in die Infrastruktur gesteckt und die könnten ja relativ schnell wieder weggehen.
Als ob man bei einem festen Haus nicht auch jederzeit umziehen könnte.

„Ja leck misch de Söck“, würde Horst Lichter sagen, „wat nu“?

Wie unser Vanlife begann – Die Überlegung

Es hatte sich bereits das Thema Mobilität eingeschlichen und eines Tages machte es „Pling“.
Zumal Sabine beim Stöbern in der Bücherei nahezu zufällig ein Buch zum Thema Vanlife in die Finger bekam.

Warum kaufen wir uns nicht eine fahrbare Kleinwohnung im Sinne einer motorisierten Variante?
Zumindest als Übergangslösung.

Zuerst fanden wir diese geistigen Blähungen eher abwegig,
aber, worauf sollten wir bitteschön noch warten?

Zumindest können wir in der Zeit, bis uns ein passendes Häuschen über den Weg läuft, flexibel das Weite suchen.
Wir können zu jedem Zeitpunkt starten, überall dorthin, wo es uns gefällt.
Und das muss nicht unbedingt weit sein, Hauptsache ab in die Pampa, Natur und Ruhe genießen.
Die permanente Lärmbelastung um uns herum, selbst im Haus, in dem wir in einer Einliegerwohnung leben, herrscht keine Ruhe. Industrie, Blockheizkraftwerk (Tieffrequenzen), 24-Stunden-Lüfteranlagen, mehr als 15.000 PKWs in wenigen Metern Entfernung, ergänzt von einigen hundert LKWs, die Bahn mit 400 Güterzügen, der Rangierbetrieb der Bahn, pro Tag! Wochenendes der Sportflug- und Hubschrauberlandeplatz, 7 Tage in der Woche das durchdringende Gekrähe von mehreren Hähnen nebenan, beginnend schon vor Sonnenaufgang sind ein paar Gründe, warum wir uns hier nicht (mehr) wirklich wohlfühlen.

Je mehr wir darüber nachdachten, desto interessanter wurde diese Überlegung und der Beginn, wie unser Vanlife begann.
Schneller als gedacht nahm das verschwommene Bild Kontur an, wurde konkreter und konkreter, bis der Entschluss endgültig war: Wir werden Freizeitnomaden mit einem 13,5 m² Rollhäusle!
Unser Vanlife begann!

Und wie es weitergeht…

Und wie es weitergeht, für welches Rollhäusle wir uns entschieden haben, erfahrt ihr an anderer Stelle.

Was meint Ihr, sind wir eher die Kastenwagentypen, oder die Joghurtbecher-Fraktion?
Es gab sehr viele Abwägungen, Überlegungen, Für und Wider’s, Fragezeichen, Unklarheiten, Unsicherheiten, sogar Ängste, auch wenn das paradox erscheint.

Also, bis dahin!

Euer Thomas, der schreibt und kocht
& eure Sabine, die fotografiert und computert.

Übrigens, wenn ihr gerne ein gutes Camperdinner macht,
dann schaut doch gerne auf unserem ONLINESHOP oder unserem ONLINE-KOCHBUCH vorbei.
Wir würden uns freuen!
Und HIER rollen wir inzwischen in der Gegend herum.

Text / Storytelling: Thomas Luciow
Bilder / Fotografien: Sabine Hennek (Genussfotografin)

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