Mit dem Campervan ins Land der sanften Hügel und Regenbögen
Schottland, ein Land der Weite mit sanft geschwungenen Bergen, der rauschenden Wasserfälle und bunten Regenbögen, des Windes und des Regens, der Stechginsterbüsche und großflächigen Weiden. Schafe gehören hier zum prägenden Landschaftsbild, gefolgt von Kühen der verschiedensten Rassen. Und natürlich findet man hier einige berühmten Castles, jede Menge Whisky-Destillerien und monumentale Bauten.
Wir, Sabine und Thomas, hatten eine lange geplante Auszeit in die Realität umgesetzt, in der wir mit unserem Campervan Hippo 6 Monate lang ab Oktober 2025 die große Insel Großbritannien, sprich Vereinigtes Königreich, bereisen wollten. Leider mussten wir aufgrund des Todesfalles von Sabines Vater die Reise nach 8 Wochen abbrechen, aber bis dahin konnten wir viele schöne Momente sammeln und reichlich Eindrücke genießen.
Eigentlich war es der Plan im Süden Englands zu beginnen und uns im Uhrzeigersinn die Küstenlinie entlang zu arbeiten. Aufgrund der Witterung beschlossen wir jedoch den direkten Weg nach Schottland, zur legendären schottischen Route 66, der North Coast (NC) 500.
Dazu bedienten wir uns des Motorways, der Autobahn, auf der ein Tempolimit von 70 mph, ca. 112 Stundenkilometer gilt, auch für Wohnmobile über 3,5 to. Da wundert man sich manchmal, dass die LKWs mit knapp 100 Sachen (kmh) unterwegs sind, und das legal.

Schottland mit dem Campervan – die NC 500
Den Einstieg bildet für viele die Stadt Inverness, Thomas jedoch musste unbedingt beim legendären Applecross-Pass (Bealach na Bà) an der westlichen Küste beginnen. Das war aufgrund der angekündigten Witterungsbedingungen auch gut so. Der genannte Pass führt serpentinenartig bergauf, und zwar auf sogenannten Single Track Roads. Das sind einspurige Straßen für beide Richtungen, rechts oder links in unregelmäßigen Abständen mit Ausweichstellen, den Passing Places versehen. Die sind meist nicht sehr groß, sodass man sich teilweise vorsichtig vorbei fummeln muss. Die Passstraße ist deshalb für größere Fahrzeuge und somit für viele Wohnmobile gesperrt. Mit unserem Hippo war das kein Problem, denn mit den 6,36 Metern ist der Campervan angenehm wendig und durch die Kastenbauart sehr schmal.
Die Strecke wird reißerisch teilweise als gefährlich beschrieben, weil der Abgrund gleich nebenan ist. Es gab jedoch keinerlei brenzlige Situationen, denn der Platz war immer ausreichend. Und ansonsten heißt es einfach mal stehen bleiben und andere gewähren lassen.
Thomas hat sich während der 6.000 Kilometer-Fahrt in die Single Tracks verliebt, denn das Fahren auf diesen Straßen ist zwar manchmal beschwerlich und durch die unzähligen Schlaglöcher ruppig, aber insgesamt entspannt. Man bekommt viel von der Landschaft mit und das ist doch das Wichtigste.
Die westliche Küstenlinie Schottlands
Am spektakulärsten ist die Fahrt nach oben und die Aussicht in die Weite. Das Meer, verschiedene Lochs (Seen), Hügel und Berge, der Himmel, die Wolken, einfach fantastisch.
Bergab geht’s zum Ort Applecross und weiter an der westlichen Küste entlang.
Die nächsten Orte sind Shieldaig, Gairloch, Poolewe und schließlich Ullapool, in dessen Nähe wir bei Ardmair die Lachsfarm Wester Ross besuchten.

NC 500 im Norden
Weiter nach Lochinver, Kylesku und Scourie fahren wir nach Durness, einem kleinen Hafenort.
Hope, Tongue, Strathy und Thurso liegen auf dem Weg zum nördlichsten Punkt unserer Reise, John o’ Groats.

North Coast 500 im Osten
Nun geht unsere Route wieder Richtung Süden, entlang der Ostküste, sprich an der Nordseeküste entlang.
Wick, Ulbster, Helmsdale und vor Gospie das Dunrobin Castle warteten auf uns.
Die letzten Kilometer vor Inverness führten uns durch Tain, Kildary, Invergordon und mit einem kleinen Schlenkerer nach Cromarty.

Quer durchs Land von Ost nach West
Jetzt fehlt uns nur noch das südliche Stück der NC 500. Von Inverness aus drehen wir eine Runde um Loch Ness, bevor es wieder nach Westen durch die Nordwest Highlands geht. Strathpeffer, Lochluichart, Achnasheen und Craig lassen wir hinter uns und gelangen an unseren ursprünglichen Ausgangspunkt der NC 500 bei Lochcarron.
Bei Auchtertyre finden wir wieder den Stellplatz, den wir vor der Überquerung des Applecross-Passes nutzten.
Entlang der Monadhliath Mountains fahren wir anschließend wieder Richtung Ostküste, denn das königliche Schloss Balmoral Castle war auf unserer Bucket Liste ein fester Punkt.
Der Plan sah vor, dass wir nun den berühmten Devil´s Ellbow befahren wollten, eine berüchtigte Haarnadelkurve auf der alten Militärstraße. Hierzu mussten wir wieder einen Pass in den Grampian Mountains überqueren. Wenige Tage später wäre dieses Vorhaben nicht mehr durchzuführen gewesen, denn aufgrund ergiebigen Schneefalls war die Passstraße gesperrt.
Über Kirrimuir erreichten wir Dundee, eine Partnerstadt von Würzburg. Außerdem soll hier der Ursprung der vielgerühmten bitteren Orangenmarmelade liegen.
Der Legende nach soll Ende des 18. Jahrhunderts aufgrund eines Sturms ein Schiff im Hafen von Dundee gelandet sein. Voll beladen mit bitteren und für sich ungenießbaren Sevilla-Orangen, die dem Verderb preisgegeben waren, kaufte der Kaufmann John Keiller die Ladung ab und seine Frau Janet verkochte sie mit Zucker zu einer festen Masse. Die original Orangenmarmelade war geboren. Die Schale wurde abgenommen und in feine Streifen geschnitten, denn das ist ein besonderes Merkmal der Dundee-Orangenmarmelade.
Der süße Aufstrich hat so eingeschlagen, dass die erste Marmeladenmanufaktur der Welt im Jahre 1797 von der Familie Keiller gegründet wurde. Gekocht wurde im traditionellen Kupferkesseln, was sich aufgrund der besonderen Wärmeleitfähigkeit und konservierender Eigenschaften als hilfreich erwies.

Dundee und die Orangenmarmelade – Rezept
Ob das folgende Rezept von Mrs. Keiller stammt?
Zutaten
1,5 kg Bio-Bitter-Orangen. Alternativ normale Orangem mit Bergamotte-Orangen 3:1 mischen.
1 kg Bio-Zucker
Saft von 1 Bio-Zitrone
Wasser
Orangenmarmelade – So wird’s gemacht
- Orangen waschen und die Schale in Zesten abziehen. Alternativ die Orangen schälen und Schale in sehr dünne Streifen schneiden.
- Das weiße Äußere der Orangen abschneiden. Nimmt das Weiße überhand, kann die Bitternote sehr deutlich ausfallen.
- Fruchtfleisch auspressen.
- Im gesamten Saft die Zesten / Streifchen weich köcheln.
- Das Ausgepresste inkl. Kerne mit wenig Wasser 30 Minuten köcheln lassen, damit das Pektin gelöst wird. Durch ein Mulltuch zum Orangensaft geben.
- Soviel Wasser zufügen, bis die gleiche Gewichtsmenge wie Orangen (1,5 kg) erreicht ist.
- Den Zucker hinzufügen, sprudelnd kochen, bis Gelierpunkt erreicht ist. Schaum abschöpfen.
- In sterilisierte Gläser abfüllen, sofort verschließen.
Heute verwendet man meist Gelierzucker, nach dessen Kochanweisung man die Marmelade zubereiten kann.
Nur 50 % Gas zur Verfügung
Schottland mit dem Campervan hat auch seine Herausforderungen. In Dundee, bzw. gegenüber an der Wormit Bay bekamen wir ein Problem mit der Gasversorgung. Vor unserer Reise hatten wir uns extra 2 feste Gasflaschen mit Außenbetankung installieren lassen, doch die zweite Flasche wollte einfach kein Gas hergeben.
Bisher hatten wir aufgrund der milden Temperaturen immer nur eine Flasche benötigt und haben alle paar Tage LPG nachgetankt. Nun waren die Temperaturen stark gefallen, weshalb der Gasverbrauch stieg. Alles kein Problem, hätte die zweite Flasche funktioniert.
Da stehst du im Dunkeln am Meer, es ist a…, äh bitterkalt, der Wind pfeift und es funktioniert weder Heizung noch Kochstelle.
Sabine begann nach einer LPG-Tankstelle zu suchen und ist in Perth fündig geworden. Ca. 40 Kilometer entfernt sollten wir das begehrte Gas erhalten. Wir mussten uns allerdings sputen, weil die Tanke angeblich bald schließen würde.
Perth – die Rettung?
Also Stützen wieder eingefahren, runter von den Keilen und alles für die Fahrt festgemacht. An der Tankstelle angekommen war die Ecke mit der LPG-Zapfsäule stockfinster. Wir sagten Bescheid, dass wir LPG und Diesel benötigten und wurden mit einem mürrischen Kauderwelsch und vollem Mund von seinem Fertig-Abendessen abgefertigt.
Mit der Stirnlampe haben wir uns beholfen, aber die Zapfpistole wollte nicht. Mit der Bitte nachzusehen, was das Problem sei, wurden wir unfreundlich angepflaumt und er machte uns lautstark klar, dass er einen langen Tag hatte und nicht gewillt sein, uns zu helfen, geschweige denn nach draußen zu gehen. Außerdem sollen wir uns gefälligst beeilen.
Nach einem weiteren Versuch konnten wir die Gasflasche füllen, alldieweil die Zapfpistole einen Wackler hatte.
Nun wollten wir noch Diesel tanken, aber zwischenzeitlich hatte der Tankstellengorilla die Lichter an den Zapfsäulen ebenfalls aus gemacht. Sabine fragte nach und wurde nochmals angegangen, dass wir so lange bräuchten und gefälligst schneller machen sollten.
Warum dieser cholerisch aufgeladene Grantler so einen Aufriss machte, war uns nicht klar. Erstens waren wir weit vor 20.00 Uhr an der Tanke und zweitens stand bei den Öffnungszeiten 21.45 Uhr.
Kurz bevor wir zahlten kam noch ein junger Mann vorbei, fragte, ob er noch etwas zu trinken kaufen dürfte und stürzte nach dem Bezahlen wie von der Tarantel gestochen zur Türe raus.
Bei der Recherche hatten wir schon mitbekommen, dass der Herr über die Zapfsäulen wohl zu viel am Sprit geschnüffelt hat. Viele Aussagen in den Bewertungen gaben das wieder, was auch wir erfahren hatten. Keine Hilfsbereitschaft, keine Empathie und Freundlichkeit ein Fremdwort.
Etwas verstört über soviel geballte Grantelei fuhren wir wieder zurück zu unserem Stellplatz gegenüber Dundee. Der Abend war zwar anstrengend, aber ein leckeres Abendessen hat es doch noch gegeben. Erschöpft fielen wir in die Betten…
Nette Menschen in Schottland
Während unserer Reise in Schottland hatten wir viele interessante und nette Menschen kennengelernt.
Da war einmal Lukas aus Bamberg, der als Braumeister und Biersommelier in Inverness eine Brauerei und Destillery mit aufbaute. Ihn hatten wir in Ballindaloch bei einer Speyside-Single-Malt-Scotch-Whisky-Verkostung kennengelernt.
Constanze, eine dynamische junge Frau, stammte aus dem Badischen. Sie hatte es nach Schottland verschlagen, um etwas Freiraum für sich zu haben. In der historischen Wollmühle Knockando im Spey Valley ist sie alleine zuständig für die komplette Weberei und für´s Design der Stoffe.
Und dann waren da noch Rosemarie und Ken, auf deren Stellplatz wir standen. Sie waren offen, herzlich und hilfsbereit und von Rosemarie bekam Thomas noch ein paar leckere Rezepte.

Irgendwie geht es da oben wesentlich lockerer zu, als bei uns. So auch bei der Musik, der wir in Applecross lauschen durften. Schottische Lieder wurden in einem kleinen Pavillon zum Besten gegeben, während rundum der Wind pfiff und die Wolken ihre Schleusen öffneten. Ein paar kleine Feuertonnen wurden aufgestellt, uns es störte niemanden, dass der Rauch durch den Pavillon zog. Wir wurden freundlich empfangen und fühlten uns mitten unter den Eingeborenen sehr wohl.
Kulinarisch hatten wir in Applecross unseren ersten Kontakt mit Fish & Chips. Allerdings zu einem Preis von 19,50 £ und einem schweren Bauch von der fettriefenden Speise. Später in Portree wurden wir dafür entschädigt und bekamen eine schmackhaftere Variante des traditionellen Streetfoods.
Schottland mit dem Campervan – Abbruch
Nun aber wieder zur Reiseroute. Anschließend schlugen wir Richtung Edinburgh ein, um zu einer Wollmühle bei Lanark zu gelangen. Schafe, Wolle, Stricken, Sabines Element.
Bei Sabines Vater hatte sich bereits eine gesundheitliche Verschlechterung bemerkbar gemacht, ein Harnwegsinfekt und eine Lungenentzündung hatten sich bemerkbar gemacht.
Deshalb hatte sie keine Muße sich den riesigen Komplex anzusehen, abgesehen davon, dass es keinen Handyempfang gab. Schließlich waren wir auf Bereitschaft, um auf neuestem Stand zu sein, hatte sich die Situation doch sehr zugespitzt.
Wir fuhren also weiter gen Süden und machten an einer Metzgerei mit Angus-Rind-Produkten Halt.
Gerade als wir aussteigen wollten, erreichte uns der Anruf, dass Sabines Vater verstorben ist.
Tja, verständlich, dass wir alles auf Links gedreht und die sofortige Heimreise angetreten hatten. Kilometer fressen war angesagt. Nun hieß es noch die Fähre buchen, die größte Hürde unserer Rückreise. Leider braute sich ein Sturm zusammen, der das Übersetzen fraglich werden ließ. Wir riefen fortwährend die neuesten Fähr-Infos ab, um zu erfahren, ob die Fähre auch wirklich ablegen würde.
Alle Fähren hatten einiges an Verspätung, aber der Transport würde auf alle Fälle stattfinden. Die wissen schon, was sie tun, dachten wir, und so schlimm wird es schon nicht werden.
Mit der Fähre bei Windstärke 9-10
Inzwischen war Windstärke 9-10, also Sturm angesagt, die Wellen nahmen beachtliche Ausmaße an, aber die Fähren fuhren.
Dass mich, Thomas, das aber so extrem mitnehmen würde, hätte ich nie gedacht. Im Hafen war es noch relativ ruhig, das wäre nicht das Problem gewesen. Als wir ablegten und ins offene Gewässer schipperten, meinte mein Nervensystem jedoch kräftig rebellieren zu müssen. Die Fähre wurde hin und her geschleudert, so manches Geschirr ging zu Bruch und urplötzlich wurde es sehr still im Saal. Aber das Eintauchen des Bugs in die Wellen, das Hochreißen der Fähre mit noch tieferem Abfallen, das konnte ich nicht aushalten.
Kurzum habe ich mir einen Stehplatz in der Toilette genommen und bin erst wieder heraus, als wir in ruhigeres Gewässer gekommen sind. Derweil hatte ich schlimmste Attacken von Übelkeit und Schweißausbrüchen, wie ich sie noch nie erlebt hatte.
Froh, wieder im sicheren Hafen von Calais zu sein, fuhren wir zu unserem bekannten Stellplatz, an dem wir vor unserer Überfahrt Halt machten.
Recht zügig fuhren wir über Luxemburg in die heimischen Gefilde, wo wir, sehr müde angekommen, erst mal alles verdauen mussten.

Schlagloch-Tipp
Die Schlaglöcher können unterschiedlich groß und tief ausfallen, was bei mit Regenwasser gefüllten Vertiefungen zur Unterschätzung führen kann. Also besser vorher abbremsen, denn das reaktive und schnelle Ausweichen ist nicht immer möglich. Schließlich möchte man ja nicht, dass die Achse auf der Straße liegen bleibt.
Sollten die Schlaglöcher sanft umgrenzt sein, so dürften sie nicht sehr tief sein. Sind die Ränder allerdings scharf zu sehen, so ist davon auszugehen, dass diese etwas tiefer liegen. 10-15 cm ist keine Seltenheit.
Zu dieser Reise wird es detailiertere Beiträge geben.
In unserem REISEBLOG findet ihr auch zu anderen Touren mit unserem Hippo Interessantes und Unterhaltsames.
Weitere Fotografien und FotoART von Sabine seht ihr bei der Genussfotografin.



