Startseite » Kochbuch » Vanlife » Öko-Camper – wer oder was ist das?

Öko-Camper – wer oder was ist das?

Wer oder was ist eigentlich ein Öko-Camper? Bezieht sich dieser Begriff auf eine Person, den Lebensstil oder den Campervan? Reicht es schon aus, biologisch einzukaufen, sich bio zu ernähren?
Das sind spannende Fragen, denen hier nachgegangen wird.

Inhaltsverzeichnis
Die Person
Das Fahrzeug
Was ist der Campervan nun wirklich?
– Lebensmittel
– Körperpflege, Toilette, Reinigung
Fazit

Öko-Camper – die Person

Früher stellte man sich einen Öko als Bart und Grobstrick-Pullover tragenden Halbwilden vor, dessen Ehefrau mit langen Zöpfen und Sack-Gewand im Zelt auf ihn wartet. Die Hände zerschunden, unter den Fingernägeln der Dreck vom Feld, das er mit den Händen und allenfalls einem Pferd als Hilfskraft bewirtschaftet.
Von diesem Bild kann man sich schon lange verabschieden.
Ein Öko (maskulin) oder eine Ökoline (feminin =;O) ) ist nach heutiger Definition ein Mensch, der schonend mit Umweltressourcen umgeht. Das kann durchaus auf hohem Niveau geschehen, muss aber nicht.
Immer mehr Menschen setzen sich mit einem nachhaltigem und ökologisch verträglichem Teil- oder Vollzeit-Vanlife auseinander.
Und das ist gut so.
Freiheitsliebe, Unabhängigkeit, Flexibilität, geringer Ressourcenverbrauch, viele Gründe sprechen für das Leben auf vier Rädern. Möglichst autark stehen können ist für den Rudel-Camper nicht wichtig, beim Freistehen, das der Öko-Camper in der Regel bevorzugt, allerdings schon.

Das Fahrzeug – der Campervan

Zunächst muss man ehrlich sein und sagen, dass am Campervan per se nichts ökologisch ist. Erst recht nicht, wenn das Teil gekauft wurde, um damit 3 Wochen im Jahr in Urlaub zu fahren. Das ist meines Erachtens eine erhebliche Verschwendung von Ressourcen. Will heißen, das Ding soll auch genutzt werden.
Ein Öko-Campervan wäre allenfalls ein Planwagen mit biologischen Materialien wie Holz und Baumwolle gebaut, dessen Plane mit Wachs imprägniert wurde. Die Transportenergie stellen ein oder mehrere Pferde zur Verfügung, alternativ bieten sich Esel, Ochsen oder sogar Ziegen an. Besinnt man sich auf den Norden, könnten Schlittenhunde das Wägelchen ziehen, ansonsten bliebe nichts anders übrig, als die Kiste selbst zu ziehen.
Findige Köpfe spannen ein Kite-Segel vor den Karren, oder inkludieren einen Segelmast. Wobei ich mir vorstellen kann, dass das Kreuzen etwas beschwerlich sein könnte.

In Corona-Zeiten besannen sich viele Menschen auf ein mobiles Büro, sofern sie zu der Gruppe gehören, die ihre Arbeit im sogenannten Home-Office bewältigen können. Eine gute Alternative, wenn zu Hause der Platz fehlt, oder keine Ruhe gegeben ist. Ist die Zeit der Corona-Beschränkungen vorbei, so kann das bewegliche Office wieder verkauft werden – will man sich überhaupt noch von ihm trennen.
Schließlich kann er Rückzugsort sein, wenn die Kids lärmen, oder der Mann laut schnarcht. Ist kein Platz für Gäste da, kann ein Schlafplatz in separater Umgebung geboten werden, was manchmal ein gar nicht so verkehrt ist, will man des Morgens nicht im Schlafhemd auf der Toilette überrascht werden.
Und, das Wichtigste überhaupt, man hat die Möglichkeit spontan das Weite zu suchen, wenn einem der Himmel auf den Kopf zu fallen droht.
Oder, wenn der Nachbar nervt, der Chef quengelt, die Schwiegermutter mit dem Besuch droht (es gibt natürlich auch nette Schwiegermütter, da darf sie ganz bewusst im Van übernachten). Oder, wenn einem sonstige Gründe für einen Tagesausflug und entsprechende Unternehmungen Flügel verleihen.

Aber was ist ein Campervan nun wirklich?

Der Campervan ist ein ausgebauter Kastenwagen, wie er als Standard-Transporter angeboten wird. Dieser kommt vom Fahrzeughersteller, der diesen an eine Ausbaufirma weiterleitet.
Nachdem der Grundaufbau erledigt ist, gelangt das inzwischen als Campervan zu erkennende Gefährt zum Händler, der es mit verschiedenen Ausstattungsteilen optimiert, die nicht in den Standard-Optionen enthalten sind.

Öko-Ausbauer gibt es nicht wirklich, zumindest kenne ich bis heute keinen, was sehr schade, aber auch der Individualität – wieder mal – geschuldet ist.
Ein Selbstausbau wäre hier die erste Wahl, sofern man sich an die logistische Herausforderung wagen mag. Materialien zu beschaffen, wie es in Corona-Zeiten der Fall war, war für sich eine große Geduldsprobe. Irgendwie muss der nackige Transporter schließlich ausgebaut werden. Vom Dämmmaterial über die Oberflächen, Schränkchen, Regälchen, geht es zur Elektrik, dem Sanitärbereich, der Energieversorgung, dem Schlaf- und Küchenbereich und der Ecke, die meist Dinette genannt wird. Gemeint ist der Wohn- / Essbereich mit Sitzgelegenheit und Tisch.

Viele handelsübliche Campervans haben eine Zulassung von maximal 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht, was erstmal viel erscheint. Rasch stößt man bei 3 Tonnen ausgebautem Leergewicht an seine Gewichtsgrenzen. Bei der Zuladung wird schließlich das Gewicht der zu transportierenden Personen eingerechnet, der volle Benzin- und beim autarken Stehen der gefüllte Wassertank. Trägt das eigene Feinkostgewölbe nicht zu sehr bei, ist schnell ein 350 kg-Paket erreicht.
Der Rest bleibt für die Ernährung, Kleidung und Bespaßung.
Die Kids lässt man am besten zu Hause, des Gewichts wegen.

Öko-Camper und Lebensmittel

Es gibt Menschen, die nennen sich Öko-Camper, weil sie meinen, mit dem Kauf von Bio-Lebensmitteln schon alles getan zu haben. Da darf es ruhig der vegane Aufschnitt sein, der im dicken Plastik verpackt, extrem stark bearbeitete und denaturierte Inhalte hat.
Teilfertig- oder Fertigprodukte? Klar, man mag ja nicht jeden Tag kochen.
Schmeckt zwar nicht immer, erfüllt aber den Zweck dem Hungergefühl Kontra zu geben.
Lebensmittel in Plastik? Aber ja doch. Schließlich muss man doch Gewicht sparen und es muss lange haltbar sein.

Es geht doch auch anders, denn reist man nicht in Gebiete fern abseits der Zivilisation, kann durch einen Einkauf das Bedürfnis nach Nahrung gestillt werden. Der Vorrat für 2–4 Tage lässt sich ohne Probleme anlegen, auch wenn einige Konserven im Glas (!) integriert werden. Reis, Nudeln, Getreide etc. tragen wenig zur Gewichtsproblematik bei.
Selbst zu kochen bietet sich an, es muss ja nicht immer Sterneküche sein.
Will heißen, das Ernährungsverhalten ist ein wichtiger Aspekt, um als Öko-Camper eingestuft werden zu können, denn die Vermeidung von Verpackungen und eine bewusste und gesunde Ernährung spielen zusammen.

Biologische Körperpflege, Toilette und Reinigung

Körperpflege

Ökologische bewusste Menschen nutzen ausschließlich Körperpflegemittel, die keine umweltgefährdenden Inhaltsstoffe besitzen, die leicht biologisch abbaubar sind und zu keiner Belastung der Umwelt führen.
Und wer bitteschön benötigt ein synthetisches Rasierwasser, Parfüm oder Deo, wenn er in der Natur ist?
Dass man möffelt und sich nicht richtig der Körperpflege widmen kann, ist eine Mär. Etwas umständlicher, als im heimischen Bad kann es schon sein, aber es ist kein Hinderungsgrund.
Seifen, nachfüllbare Fläschchen, Toilettenartikel in Pappe oder Papier, diese Dinge erhält man fast überall in Bio-Qualität.

Toilette

Über den Toilettengang im Campervan habe ich bereits ein paar geistige Blähungen verfasst.
Hier könnt Ihr nachlesen, was Vanlife und der Toilettengang beinhaltet.
Ein Öko-Camper wird niemals, nie, garnienicht Toilettenchemie verwenden. Die Kassettentoilette, die in den meisten Vans standardmäßig verbaut ist, kommt gut ohne Chemiekeule aus, die sogar Gewässer schädigend ist.
Zahlreiche biologische Zusätze eignen sich sehr gut, damit die Hinterlassenschaft nicht zu anrüchig wird.
Das Toilettenpapier kann aus recyceltem Papier bestehen, am besten zweilagig.
Oder, man hat bereits die berühmte TTT, die Trocken-Trenn-Toilette, der Inbegriff des ökologischen Sch….ens.

Reinigung

Auch hier gilt, dass die Verwendung von ökologischen Putz- und Reinigungsmitteln Priorität hat.
Was heißt hier Priorität?
Es ist ein Muss!
An der Waschanlage kann man sowieso keinen Einfluss auf die verwendeten Reinigungsmittel nehmen, da sollte man wenigstens etwas Konsequenz bei der eigenen Putzmittel-Batterie walten lassen.

Fazit

Was ist für euch der Öko-Vanlifer?
Habt Ihr Vorstellungen, wie sich ein nachhaltiges, biologisches und ökologisches Camperleben gestalten soll, darf, oder muss?
Gibt es Fragen, die euch zum Thema brennend interessieren?

Ich glaube, dass man diese Lebensphilosophie auch zu Hause leben muss, um es im mobilen Leben umsetzen zu können. Ein bisschen Sinneswandel im Urlaub wird nicht der Schlüssel zum erfolgreichen Öko-Vanlife sein.
Mit den erwähnten Punkten sollte es jedoch gelingen, verantwortungsvoll als Camper unterwegs zu sein.

Oder was meint Ihr?

Gehabt euch wohl und vielleicht bis irgendwann on the road.

 Eure Genussjunkies und Freizeitnomaden

Thomas – der schreibt, und
Sabine – die fotografiert


P.S. Wenn euch gutes Camperfutter interessiert, leckere Gewürze und Rezepte, dann schaut gerne auf unserer Seite Camp ‘n’ Cook vorbei. Wir würden uns sehr freuen.

Text / Storytelling: Thomas Luciow
Bilder / Fotografien: Sabine Hennek / @genussfotografin (Genussfotografin)

 

Teile das Rezept oder den Beitrag auf:

2 Gedanken zu „Öko-Camper – wer oder was ist das?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert